OODA-Loop: Wie man Gefahrensituationen mit dem Loop souverän meistert

OODA-Loop: Wie man Gefahrensituationen mit dem Loop souverän meistert

Der OODA-Loop ist ein Werkzeug für akute Gefahrensituationen, wie zum Beispiel bei Terroranschläge oder Amokläufe. Im Kern ist der Loop ein mentales Modell, das hilft, auch bei Angst und Stress handlungsfähig zu bleiben und durch strukturiertes und zielgerichtetes Denken und Handeln auch Situationen mit hoher Unsicherheit souverän und möglichst unversehrt zu überstehen.

Mit dem Loop haben wir also einen robusten Entscheidungsprozess für jede Art von Gefahrensituation. In der Praxis ist der OODA-Loop die Brücke zwischen Aktion und Awareness.

Besonders hilfreich ist der OODA-Loop in dynamischen Bedrohungslagen. Dazu zählen vor allem Active-Shooter-Situationen, aber auch bei Raubüberfälle oder Mobs.

Die 4 Phasen des OODA-Loops: Observe - Orient - Decide - Act

Der OODA-Loop besteht aus vier Phasen: Observe - Orient - Decide - Act, auf Deutsch: Beobachten - Orientieren - Entscheiden - Handeln. Diese vier Phasen bauen aufeinander auf und müssen stets in dieser Reihenfolge durchlaufen werden. Seinen Nutzen entfaltet der Loop nur dann, wenn alle vier Phasen hintereinander durchlaufen werden.

Phase 01: Beobachtung. Diese Phase leitet den Loop ein. Hier geht es darum, fortlaufend die eigene Umgebung zu beobachten. Das Werkzeug hierfür heißt „situative Aufmerksamkeit“.  Beobachten ist nichts anderes als situative Aufmerksamkeit zu praktizieren. Sie scannen Ihre Umgebung und wissen zu jedem Zeitpunkt, was um Sie herum vorgeht.

Phase 02: Orientieren. Auf das Beobachten folgt das Orientieren. Dies ist der wichtigste Schritt des OODA-Loops, sein Schwerpunkt. Hier geht es darum, die eigene Umgebung lesen zu lernen. Beobachten heißt Daten sammeln, Orientieren bedeutet, diesen Daten Sinn zu geben, indem wir die gewonnenen Eindrücke filtern und auf potenzielle Bedrohungen hin prüfen.

Orientieren heißt also, potenzielle Bedrohungen frühzeitig zu identifizieren und die eigenen Handlungsoptionen darauf zu prüfen. Das gelingt mithilfe des eigenen Bauchgefühls und einem Konzept namens Standards und Anomalien. (Mehr dazu hier.)

Phasen 03 & 04: Entscheiden und Handeln. Wir haben unsere Umgebung aufmerksam beobachtet (O) und dabei eine mögliche Bedrohung identifiziert (OO). Jetzt gilt es eine Entscheidung zu treffen (D) und umzusetzen (A) - und dies möglichst schnell. 

Aus der Vielzahl der gewonnenen und bewerteten Informationen sowie der möglichen Handlungsoptionen gilt es nun eine einzige Entscheidung zu destillieren. Diese setzen Sie dann durch eine Handlung in die Tat um.

OO-Syndrom: Warum der OODA-Loop immer vollständig zu durchlaufen ist

Ein Loop ist erst mit der Umsetzung einer Entscheidung abgeschlossen. Das ist von entscheidender Bedeutung. In einer Bedrohungssituation müssen wir in jedem Fall eine Entscheidung treffen und umsetzen, und zu dieser Entscheidung führt uns der OODA-Loop.

In der Praxis funktioniert aber genau das häufig nicht. Menschen neigen aufgrund von Angst und Stress dazu, einzelne Phasen des (ihnen nicht bekannten) Loops auszulassen.

Viele bleiben in der Stufe der Orientierung hängen (OO-Syndrom), weil sie in einer Bedrohungssituation erstarren und keine Entscheidung treffen. So gewinnen jedoch Angreifer mehr Zeit, zum Beispiel um sich zu nähern, besser zu positionieren und einen Angriff vorzubereiten - und bestimmen auf diese Weise die Spielregeln einer Situation.

Wichtig ist also, bei einer identifizieren Bedrohung möglichst schnell ins Handeln zu kommen. Wer nicht ins Handeln kommt, hängt im OO-Modus fest. Das ist gefährlicher als eine schlechte Entscheidung. Denn diese lässt sich mit dem nächsten Loop korrigieren und durch eine bessere Entscheidung ersetzen.

In der Praxis durchlaufen wir so oft Dutzende von Loops hintereinander. Auf diese Weise synchronisieren uns fortlaufend mit der Realität. Denn gerade in dynamischen Situationen braucht es jedoch ständige Anpassungen. Wir brauchen „mentale Agilität“ (Grant Hammond). 

Der OODA-Loop ist der Schlüssel dazu.


OODA-Loop Terroranschlag Active Shooter Pulse Nachtclub

OODA-Loop in der Praxis: Terroranschlag im Nachtclub

Im Ernstfall kann das OO-Syndrom tödliche Folgen haben. So wie im Nachtclub »Pulse« in Orlando, einer Stadt im US-amerikanischen Bundesstaat Florida. Es war die Nacht des 11. Juni 2016, als Imran Yousuf plötzlich Schüsse hörte. Yousuf, ein ehemaliger US-Marine, arbeitete als Türsteher im »Pulse«. 

Er identifiziere diese sofort als Schüsse aus einem Sturmgewehr - und rannte sofort in den hinteren Teil des Clubs, weg von den Schüssen im Eingangsbereich.

Dort drängte sich bereits eine Menschentraube vor einer verschlossenen Tür. Doch niemand bewegte sich oder versuchte die Tür zu öffnen. Alle waren wie erstarrt vor Angst – und unfähig, die als sinnvoll erkannte Handlung auszuführen, nämlich die Tür zu öffnen. 

Die Menschen vor der Tür hatten sich zwar orientiert und einen Ausgang gefunden, aber waren durch Angst und Stress nicht in der Lage, die durch einen Riegel versperrte Tür zu öffnen und damit den OODA-Loop zu vollenden. Sie hingen mental fest - OO-Syndrom.

Yousuf hingegen vollendete seinen OODA-Loop, indem er die Entscheidung traf, seine Deckung zu verlassen und den Riegel der Tür zu öffnen. Das war die Rettung für 70 Menschen, die nun den Club durch diesen Ausgang verlassen konnten.

Der Täter wütete währenddessen weiter, tötete 49 Menschen und verletzte 53 weitere. Es war der bis dahin schlimmste Terroranschlag mit der höchsten Zahl an Opfern in den USA seit dem 11. September 2001.

Behalten Sie also im Hinterkopf, dass es darum geht, den Loop zu Ende zu bringen. Sie müssen in Gefahrensituationen eine einzige Entscheidung treffen und diese direkt umsetzen. Sie müssen handeln. Das funktioniert, indem Sie akzeptieren, dass Ihre erste Entscheidung nicht perfekt sein muss, sondern jederzeit durch eine bessere Entscheidung ersetzt werden kann.

Fazit

Der OODA-Loop ist ein mentales Werkzeug, das uns hilft, Gefahrensituationen souverän zu meistern und auch in Gefahr und unter Stress handlungsfähig zu bleiben. Die vier Phasen Beobachten - Orientieren - Entscheiden - Handeln müssen stets in derselben Reihenfolge und vollständig durchlaufen werden. 

Am Ende jedes Loops steht zwingend eine Entscheidung. Erst dann ist ein Loop abgeschlossen. Es geht entscheidend darum, das OO-Syndrom zu vermeiden.

Der OODA-Loop versetzt Anwender in die Lage, auch in akuten Situationen akuter Bedrohung und unter Stress schnell und souverän Entscheidungen zu treffen und ohne zu zögern in die Tat umzusetzen. Damit erhöhen sich die eigenen Chancen, möglichst unversehrt auch aus Gefahrensituationen hervorzugehen.

Klingt kompliziert? Das ist es nicht. Sie durchlaufen den OODA-Loop bereits jeden Tag Dutzende Male, allerdings unbewusst und vermutlich nur selten in Bedrohungssituationen. Es geht also darum, besser darin zu werden. Dann kann der OODA-Loop zu einer echten Geheimwaffe in Gefahrensituationen werden.


Mehr Beispiele, wie der OODA-Loop in der Praxis funktioniert, und Tipps, wie man dieses Werkzeug in den eigenen Alltag integriert, finden Sie in meinem Buch Die 5 Ringe der Sicherheit. Mit Risiken und Bedrohungen souverän umgehen - im Alltag und auf Reisen.


Grafik: (c) Florian Peil

Foto: City of Orlando Police Department / Wikimedia Commons

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